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Holz mobilisieren

Interview mit Werkstatt-Teilnehmer Ing. Herbert Erhart
Abteilung Umweltschutz im Amt der Vorarlberger Landesregierung
und ausgebildeter Förster, geb. 1960, lebt in Hard

Wenn wir in Vorarlberg von Biomasse sprechen, womit haben wir es da genau zu tun?
„Wir haben in Vorarlberg rund 90.000 Hektar Wald. Zwei Drittel davon lassen sich wirtschaftlich nutzen. Biomasse ist Brennholz in Form von Stückholz, Hackschnitzel oder Holzpellets. Es handelt sich überwiegend um Fichten- und Tannenholz, Buchenholz ist vor allem bei Stückholzheizungen in Einfamilienhäusern und Zusatzöfen sehr gefragt. Bei Fichte und Tanne werden ungefähr 50 Prozent des Holzes energetisch genutzt, direkt bei der Holzernte oder als Sägerestholz.“

Wie schätzen Sie das Potenzial bei der Biomasse ein, das bis 2050 noch zu aktivieren wäre?
„Die Werkstatt Biomasse geht von einer möglichen Steigerung von 689 auf 940 Gigawattstunden aus. Biomasse ist nach der Wasserkraft der zweitgrößte heimische, erneuerbare Energieträger.“

Was ist das zentrale Problem bei der Biomasse?
„Wir haben noch erhebliche Holzreserven in unseren Wäldern. Zu nutzen wäre einerseits der jährliche Zuwachs, andererseits haben wir noch viele überalterte, sehr vorratsreiche Bestände, die verjüngt werden sollten. Die große Herausforderung ist es, dieses Holz zu mobilisieren, vor allem in privaten Kleinwäldern. Viele Waldbesitzer haben ein Waldstück geerbt, haben aber überhaupt keinen Bezug dazu, weil sie weit entfernt davon wohnen. Das macht die gezielte Waldbewirtschaftung sehr mühsam.“

Was sind die Folgen von Distanz und Wissensdefiziten?
„Für viele hat der Wald eine Sparkassenfunktion. Sie fällen die Bäume nur dann, wenn sie Geld brauchen. So funktioniert die Natur aber nicht. Es ist besser, die „Zinsen“ laufend abzuschöpfen. Dadurch entstehen stabilere Wälder, und auch der Zuwachs steigert sich. Viele haben zudem ein schlechtes Gewissen, wenn sie Bäume schlägern. Das wirkt sich aber positiv aus, weil es der Verjüngung und Erhaltung des Waldes dient. Das heißt, ich tue Gutes, wenn ich einen Baum raus schneide und habe zugleich noch einen Vorteil, in dem ich Geld damit verdiene. Man handelt vollkommen nachhaltig, wenn man das nutzt, was von Jahr zu Jahr zuwächst. Das sind rund 4 Kubikmeter Holz pro Hektar Wald.“

Für Sie als ausgebildeter Förster ist das ja alles ganz selbstverständlich?
„Ich war von klein auf im Wald daheim. Ich bin in einem Bergbauernbetrieb in Schruns aufgewachsen und habe sehr viel Zeit mit meinem Vater und meinen Geschwistern im Wald verbracht. Deshalb war es für mich klar, dass ich einen Beruf erlernen wollte, der mit der Natur zu tun hat. Ich denke, wir müssen heute wieder das Interesse an der Natur wecken und vermitteln, dass der Wald etwas wert ist, als Naturund Erholungsraum. Als Landschaftselement, das unseren Lebensraum vor Muren und Lawinen schützt, aber auch als Lieferant von Holz und Energie.“

Wie schaut Ihre Biomasse-Vision für 2050 aus?
„Wir können noch einige kleinere Biomasseheizwerk ein den Regionen errichten. Meine Vision wäre, dass sich Privatwaldbesitzer zusammenschließen und so selbst kleinere ‚Energienetze‘ betreiben.“

Wie haben Sie die Arbeit in der Werkstatt erlebt?
„Beim Prozess der Energiezukunft hat mir besonders gefallen, dass nicht ein Bereich isoliert betrachtet, sondern eine Gesamtschau angestrebt wurde. Raumplanung und Verkehr waren dabei wichtig. Schließlich wird es auf jeden Einzelnen ankommen, ob wir die Energiezukunft meistern werden. Ein Beitrag dazu von mir ist, täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit zu fahren, Sommer wie Winter.“


TeilnehmerInnen Werkstatt Biomasse:
Anton Amann, Ing. Herbert Erhart, Gerhard Günther, DI Hubert Malin, Ing. Bernhard Nöckl, DI Thomas Ölz, Mag. Dr. Paul Stampfl, DI Siegbert Terzer, DI Christian Vögel, DI Anton Zech