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Modellregion für nachhaltiges Bauen

Interview mit Werkstatt-Teilnehmer Univ. Prof. DI Hermann Kaufmann
Architekt und Professor an der TU München, Fachgebiet Holzbau,
geb.1955, lebt in Schwarzach und in München

„2050“, lächelt Hermann Kaufmann, „Da bin ich 95. Bis dahin werden alle Gebäude regenerativ versorgt sein. Sie werden keine Energie mehr brauchen, sondern Energie abgeben. Wenn wir das erreicht haben, können wir uns als Gesellschaft den Denkmalschutz leisten, d.h. erhaltenswerte, historische Gebäude können dann ruhig energetisch suboptimal versorgt sein. Bei den Gebäuden lässt sich die Energiezukunft gut fassen. Mehr Kopfzerbrechen bereitet mir die Raumplanung. Die bestehenden Siedlungsgebiete dürfen auf keinen Fall ausgebaut werden. Nachverdichtung ist ein wichtiges Thema. Das Passivhaus auf der grünen Wiese ist eigentlich eine Schizophrenie. Man spart Energie beim Heizen und braucht gleichzeitig Unmengen von Energie für die Mobilität, weil jeder Einkauf eine Reise mit dem Auto ist.“

Das Atelier von Hermann Kaufmann in Schwarzach ist beispielhaft für verdichtetes Bauen. Im Erdgeschoss arbeitet die Bürogemeinschaft Kaufmann / Lenz / Gmeiner, im Obergeschoss sind drei Wohnungen untergebracht. Die klare, pragmatische Architektursprache, der sinnvolle Materialeinsatz und ökologische Aspekte prägen den Bau aus dem Jahr 1999, der annähernd Passivhausstandard aufweist. „Vorarlberg sollte seine Vorreiterrolle in der Architektur auf das Energiethema ausdehnen und auch hier zur Modellregion werden. Durch die Symbiose von guter Architektur und nachhaltigen Strategien könnten wir die Beliebigkeit internationaler Formensprache überwinden und stärkere regionale Bezüge herstellen“, ist Hermann Kaufmann überzeugt. „Ich sehe darin eine positive Herausforderung an die Kreativität der Architekten und keineswegs eine Einschränkung.“

Wie weit nachhaltiges Bauen heute schon gehen kann, zeigt er am Beispiel des Gemeindezentrums Ludesch. Bei diesem ökologischen Musterbau halten der gesamte Bauprozess und die verwendeten Materialien den Kriterien der Nachhaltigkeit stand, obwohl nur geringfügige Mehrkosten im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise entstanden sind. Nachhaltiges Bauen bedeutet für Hermann Kaufmann, schon bei der Planung den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes zu analysieren, um eine Balance von Dauerhaftigkeit mit wenig Reparaturen und Flexibilität mit vielen Nutzungsvarianten zu erreichen. Das wichtigste Thema auf dem Weg zur Energieautonomie ist aus seiner Sicht die vorbildliche Altbausanierung. „Bis 2030 sollten alle Gebäude durchsaniert sein, die vor 1990 gebaut wurden. Dafür müssen wir aber dringend kompetente Energiefachleute ausbilden.“ Außerdem verweist Hermann Kaufmann auf das ökologische Potenzial des nachwachsenden, heimischen Baustoffes Holz. „Alle anderen Materialien verbrauchen jede Menge Energie zur Herstellung. Abgesehen davon ist im Holz C02 gebunden. Wenn ich es durch Bauen stofflich verwerte, lagere ich C02 in das Bauwerk ein und vermeide dadurch einen sofortigen Ausstoß für eine gewisse Zeit.“

Bei der Arbeit in der Werkstatt Gebäude hätte sich Hermann Kaufmann mehr Freiheit gewünscht, um das Potenzial der Fachleute wirklich zu nützen. „Mir hat die wirklich kreative Diskussion gefehlt, der Funke ist nicht angesprungen. Mir war das Ganze zu wenig auf fassbare Grundlagen bezogen und zu wenig visionär. Ein Riesenerfolg der Energiezukunft Vorarlberg ist aber der Schulterschluss aller Parteien beim Beschluss der Energieautonomie. Eine gewisse Bewegung ist also schon zu bemerken. Auch in der konservativen Politik setzen sich grüne Ideen durch. Der Zug fährt, vielleicht kann man ihn noch beschleunigen.“


 
TeilnehmerInnen Werkstatt Gebäude:
Ernst Bertsch, Ing. Christof Drexel, DI Dr. Eckart Drössler, Arnold Feuerstein, Mag. Arch. Marina Hämmerle, Mag. Lothar Hinteregger, DI (FH) Stephen Kaltheier, DI Arch. Hermann Kaufmann, Mario Nußbaumer, DI Martin Ploß, Georg Rauch, Angelika Rhomberg, DI Lucas Rupp