Denkwerkstätten / Kommunikation / Interview

Durch Beteiligung Veränderung bewirken

Interview mit Werkstatt-Teilnehmerin Dr. Jeanette Moosbrugger
Verantwortlich für das Forschungsprojekt Passivhauswohnen³ bei Hefel Wohnbau und freischaffende Soziologin,
geb. 1970, lebt in Lustenau

In der Kommunikationskampagne zur Energiezukunft Vorarlberg sollen Inhalte und Ideen transportiert werden, die mehr als 90 Beteiligte in fast zweijähriger Arbeit entwickelt haben.
„Ausgehend vom Lateinischen bedeutet „communicare“ eigentlich „teilen, mitteilen, teilnehmen lassen, gemeinsam machen, vereinigen …“ Es geht also bei der Projektkampagne nicht ausschließlich um den Transport von Information oder Wissen, wie und warum wir einen nachhaltigen Lebensstil pflegen. Vielmehr soll ein Prozess in Gang kommen, an dem wir uns deshalb gerne beteiligen, weil es gleichermaßen sinnvoll wie trendig ist, sich Energie und Ressourcen schonend zu verhalten.

Ist das die Meinung der Soziologin oder der Marketingfachfrau?
„Zunächst ist es die Sichtweise all jener, die gemeinsam mit mir in der Werkstatt Kommunikation darüber nachgedacht haben, wie sich die anspruchsvolle Vision für ein energieautonomes Vorarlberg am besten übersetzen lässt. Und in dem Zusammenhang war schon beim ersten Workshop klar, dass beim Projekt Energiezukunft letztlich nur das Tun im Mittelpunkt stehen kann.“

Ein partizipatives Modell sozusagen?
„Genau. Und zwar eines, das auf ganz unterschiedlichen Zugangsebenen zur Nachahmung einlädt, sei es beim Wohnen oder bei der Mobilität. Die Energiezukunft Vorarlberg wäre damit – auf den Punkt gebracht – eine dynamische Plattform, die jedem Vorarlberger und jeder Vorarlbergerin Möglichkeiten aufzeigt, wie man sich im Rahmen seiner Interessen engagieren und einen Beitrag leisten kann. Und sei er noch so klein.“

Was hat die Mitarbeit bei der Energiezukunft Vorarlberg bei Ihnen bewirkt?
„Ich bin vor allem selbstkritischer geworden. Wenn man Tage damit verbringt, über energieeffizientes Handeln nachzudenken, hat man über kurz oder lang schon ein schlechtes Gewissen, wenn man für Erledigungen – oder für die Termine bei der Energiezukunft – das Auto aus der Garage holt. Deshalb lässt mich auch das Projekt „Landrad“ nicht los. Zumal es in beeindruckender Weise zeigt, wie der Aufbau und die Entwicklung einer so genannten Community zustande kommen. Leider ist die Stückanzahl der Räder limitiert.“

Was motiviert Sie, die Vision für ein energieautonomes Vorarlberg zu unterstützen?
„Vor dem Hintergrund meiner wissenschaftlichen Arbeit kann ich einer Sichtweise zustimmen, die meint, dass wir vor allem eines sind: Soziale Akteure. Ich glaube, es geht letztlich ums Umsetzen und nicht ums Theoretisieren. Das impliziert, dass wir nicht zwangsläufig Opfer sondern stets auch Gestalter jener Lebensverhältnisse sind, die uns belasten – und erfreuen. Dieser Gestaltungswille ist es auch, dem ich in diesem Projekt immer wieder begegne. Ob Workshop oder persönlicher Austausch: Ausnahmslos alle Beteiligten sind hochkonzentriert bei der Sache, und sie bringen sich engagiert mit ihrem spezifischen Wissen ein. Das begeistert mich.“


TeilnehmerInnen Werkstatt Kommunikation:
DI Josef Burtscher, Ing. Edwin Drexel, Hans-Joachim Gögl, DI Dr. Adolf Groß, Mag. Karin Guldenschuh, Karl-Heinz Kaspar, Reinhard Kogler-Ricquebourg, Mag. Dr. Jeanette Moosbrugger, Mag. Peter Schmid