Denkwerkstätten / Raumplanung / Interview

Achtsamer Umgang mit knappen Ressourcen

Interview mit Werkstatt-Teilnehmerin Arch. DI Vera Purtscher
Selbständige Architektin und Produkt-Designerin. Mitglied bei vmax, einem privat organisierten think tank zu Zukunftsfragen,
geb. 1961, lebt in Hohenems

„Vera Purtscher wurde in einem Bergdorf Vorarlbergs, in Thüringen, geboren. Was sie aus dieser Welt mitnahm in die Stadt Wien, zum Studium der Architektur, war der sorgfältige Umgang mit Ressourcen und die Berücksichtigung des Gegenüber bzw. der Gemeinschaft bei jeder Entscheidung“, heißt es in der Biografie auf ihrer Homepage. Diese Sätze scheinen mir im Grundtenor den Leitideen der Werkstatt Raumplanung sehr ähnlich. Wie sehen Sie das?
„Ja durchaus, es gibt eine Rückbesinnung. Man könnte unsere Leitsätze als Interpretation bewährter Werte – im Kontext der Energiezukunft Vorarlberg – sehen. Die Marschroute ist dieselbe.“

Welchen Stellenwert hat die Raumplanung in diesem Visionsprozess?
„Raumplanung ist eine Querschnittsmaterie, die alle anderen Werkstätten ‚streift‘. Es geht für mich um wünschenswerte Visionen. Sozusagen in allen drei Größenordnungen; „large“: die Raumplanung, „medium“: die Gebäude, und „small“: Produkte als nomadisierende Kleinarchitekturen. Von der Vogelperspektive bis zur letzten Schraube sollte alles durchdacht und liebevoll behandelt werden. Medium und Small sollten in einem guten Large eingebettet sein, das sozusagen einige „Pflöcke“ einschlägt, um den Weg zu markieren.“

Was müsste denn passieren bis 2050?
„Steuerung der Bodenbewirtschaftung – durchaus nach dem Vorbild der Schweiz. Nachverdichtung der Zentren. Rückwidmung von Bauland in Grünland kann ein Thema sein. Energetische Quartiersbetrachtung anstatt nur gebäudespezifische. Nahversorgung mit Lebensmitteln. Generationenübergreifendes Wohnen. Der Rhein als mäandernder Naturraum statt als trennende Grenze. Reduktion des Individualverkehrs mit kreativer Nachnutzung der Garagen, …“

„Wer nichts wagt, stirbt langsam.“ Ich zitiere Vera Purtscher. Gilt das auch für Ihr Engagement bei der Energiezukunft Vorarlberg?
„Das ist jetzt interessant, wenn man die eigenen Aussagen wieder gespiegelt bekommt. Ich bin schon ein bisschen vorsichtig. Aber am besten war ich in meinem Leben immer dann, wenn ich meinen Mut zusammengepackt und etwas getan habe. Beim „Tun“ passieren natürlich Fehler, nichts zu tun ist aber sicher der größte Fehler! Ja, so bringe ich mich auch in diesen Prozess ein, erwarte mir aber, dass der achtsame, respektvolle Dialog mit den Werkstätten auch während der Kommunikationskampagne fortgesetzt wird.”

Wenn wir vom Tun reden – Wir sind was wir tun, wie geht es Ihnen damit?
„Ich habe ein Haus aus den 1950er Jahren renoviert: beheizt mit Erdwärme und Kachelofen. Es hat 3fach-Verglasung und ist super isoliert. Ansonsten bin ich bei der Energiezukunft Vorarlberg ein Bengel unter den Engeln. Dort bin auf Menschen gestoßen, denen ich größte Hochachtung entgegen bringe. Sie leben vorbildhaft – wenn alle so wären, wäre die Welt besser. Von denen habe ich z.B. erfahren, dass man Zug-Verspätungen übers Handy abrufen kann. Die öffentlichen Verkehrsmittel sind wohl besser als ich gemeint habe.“

Was trauen Sie der Politik zu?
„Alles …“

Und noch mehr?
„Die Zeichen der Zeit wurden erkannt, sonst hätte die Politik diesen Prozess nicht angestoßen. Das ist ehrenhaft und richtig, allerdings mache ich mir Sorgen um unsere überbordende Verwaltung. Ich habe große Mühe mit Anlassgesetzgebung, die nach tragischen Ereignissen oft übers Ziel hinausschießt. Baukosten steigen ins Gigantische, Fachleute treibt das zur Verzweiflung und Bürger in den inneren Widerstand. Die Bauordnung lässt keine Spielräume mehr: Uniformität ist die Folge. Selbst der Denkmalschutz kämpft händeringend um allerletzte Reste authentischer Baukultur. Die Eigenverantwortung wurde auf dem Sektor schlichtweg abgeschafft. Sollte die Entwicklung bei der Energiezukunft Vorarlberg dieselbe sein, wäre das für mich eine Katastrophe.”


 
TeilnehmerInnen Werkstatt Raumplanung:
Prof. Mag. Heinz Allgäuer-Hackl, Dr. Wilfried Bertsch, Bmst. Harald Gmeiner, DI Bernhard Kathrein, Manfred Kopf, Bernhard Maier, DI Vera Purtscher, Ing. Rainer Siegele, DI Franz Schwerzler