Denkwerkstätten / Sonne / Interview

Das Haus als Kraftwerk

Interview mit Werkstatt-Teilnehmerin Hildegard Breiner
Obfrau des Naturschutzbundes Vorarlberg
geb. 1936, lebt in Bregenz

Hildegard Breiner, die sich seit 35 Jahren ehrenamtlich für den Umweltschutz engagiert, sagt: „Mit jedem Tun treffen wir eine Entscheidung. Ich lebe mit Freude nach dem, was ich predige. Unauffällig, nicht schulmeisterlich, sondern selbstverständlich. Andere kriegen dann zumindest ein schlechtes Gewissen. Ich habe seit elf Jahren kein Auto und bin trotzdem voll mobil, mache kaum Flugreisen und kaufe fast nur regionale, saisonale Lebensmittel. Es ist ein gutes Gefühl, zu wissen, dass man nicht alles braucht.“

Atomenergie, nein danke. – Solarenergie, ja bitte: Wer Hildegard Breiner besucht, kann ihre unmissverständliche Haltung gleich auf zwei großen Tafeln an ihrem Garagentor nachlesen. Gemeinsam mit ihrem Mann Franz Viktor, der 1998 gestorben ist, gehörte sie zu den Anti-Atom-Aktivisten der ersten Stunde. „Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen“ – dieses Kant-Zitat bestärkt Hildegard Breiner in ihrem Engagement. „Dieses Transparent haben wir seit Wackersdorf-Zeiten immer und überall dabei gehabt, und es hat einfach immer gepasst und entsprechend Aufsehen erregt, ich verwende es auch jetzt noch bei jeder Gelegenheit. Wir wollten in diesem Sinne als Atomgegner nicht nur als Nein-Sager abgestempelt werden, sondern in Lösungen weiter denken. Deshalb haben wir uns dann für erneuerbare Energien stark gemacht.“ 1996 wirkte sie im Rahmen der ersten Vorarlberger Klimakampagne im Arbeitskreis Energie mit und initiierte die SonnenSchein-Kampagne, um die Fotovoltaik zu puschen. „Ich habe mich als einzige Frau zu 15 Männern hineinreklamiert. Denn ich wollte kein braves Amt. Ich wollte unbedingt zur Energie, weil dort der Schlüssel für Veränderungen ist.“

Auch beim aktuellen Projekt Energiezukunft ist die Vorkämpferin mit der sanften Beharrlichkeit gefragt. Die Arbeit in der Werkstatt Sonne hat Hildegard Breiner sehr erfüllt. „Wir hatten eine heitere, gelassene Stimmung. Jeder freute sich auf das nächste Treffen. Wir haben uns in diesem frohen Schaffen gegenseitig angestachelt. Besonders beeindruckt hat mich die Langsamkeit, die dem Prozess zugestanden wurde. In den zwei Jahren haben nicht nur die Teilnehmer durch die fundierte und breite Diskussion unglaubliche Reifungsprozesse erlebt, sondern auch die Politik. Nur deshalb hat sich der Landeshauptmann die Energieautonomie zum Ziel gesetzt.“ Und über die praktische Umsetzung einer Werkstatt-Idee freut sich Hildegard Breiner ganz besonders. An der Fachhochschule wird der unter anderem von ihr angeregte Lehrstuhl für Energieeffizienz eingerichtet.

Für Hildegard Breiner heißt Energieautonomie, dass wir in Vorarlberg selbst bestimmen, welche Energie wir wollen und wo wir sie erzeugen, ohne von anderen abhängig zu sein. Umzusetzen ist diese Vision aus ihrer Sicht nur, wenn wir bis 2050 40 bis 50 Prozent weniger Energie verbrauchen. „Alle seriösen Studien zeigen seit Jahrzehnten, dass das möglich ist. Es liegt am politischen Willen.“ Ihr Bild von 2050 ist sehr klar. „Jedes neu gebaute Haus liefert mehr Energie als es selbst benötigt. Die Überschüsse werden ins Netz abgegeben und für Altbauten verwendet. Diese sind aber so gut saniert und isoliert, dass sie nahezu keine zusätzliche Energie brauchen.“ Elektroautos sind für Hildegard Breiner nur denkbar, wenn dafür entsprechend Sonnenergie zur Verfügung steht, die Wasserkraft dazu auszubauen, lehnt sie aus Naturschutzgründen ab. „Jeder, der ein Elektroauto kauft, sollte nachweisen müssen, dass er selbst eine Fotovoltaikanlage betreibt oder zumindest an einer Anlage beteiligt ist.“

„Und wenn ich träumen darf“, fügt sie hinzu. „Dann wünsche ich mir, dass es durch dieses dezentrale System der Energieproduktion keine Kriege mehr ums Öl gibt.“


TeilnehmerInnen Werkstatt Sonne:
Erwin Bechter, Hildegard Breiner, Rosmarie Gmeiner, DI Michael Heim, DI Johann Punzenberger, Klaus Riedl, Ing. Albert Rinderer, Ing. Wilhelm Schlader, Gerhard Walch