Denkwerkstätten / Strom/Kleinverbraucher / Interview

Energie verschwenden ist out

Interview mit Werkstatt-Teilnehmer DI Hans-Jörg Mathis
Bereichsleiter Strom Stadtwerke Feldkirch,
geb. 1966, lebt in Sulz

2050 ist die Perspektive der Energiezukunft Vorarlberg. Was sehen Sie, wenn Sie 40 Jahre vorausblicken?
„Energieverschwender werden gesellschaftlich nicht mehr akzeptiert, weil der bewusste und sorgsame Umgang mit Energie einfach selbstverständlich ist. Das wird so sein wie heute mit den Rauchern, da ist die Stimmung auch plötzlich gekippt. Es wird vielleicht eine Völkerwanderung geben, wenn etwa in Belgien und Holland der Meeresspiegel soweit angestiegen ist, dass ganze Landstriche verschwinden. Spätestens dann, wenn die Klimaflüchtlinge bei uns eintreffen, werden wir verstehen, dass wir um das Energiesparen nicht herumkommen. Der Stromverbrauch muss bis 2050 um zwei Drittel reduziert werden. Nur dann kann die Fotovoltaik wirklich eine Rolle spielen. Viele haben Angst vor dem Sparen. Es gibt keinen Grund, Einschränkungen zu befürchten. Sparen hat nicht unbedingt was mit Verzicht zu tun. Es sollte ein anderes Image bekommen. Es muss „sexy“ sein. Energie haushalten muss ein Pflichtfach sein, bereits in der Volksschule.“

Wie steht es um Ihre eigene Strombilanz?
„Ich habe mir vor zehn Jahren die Kosten angeschaut und dann einen radikalen Schnitt gemacht. Ich habe eine Solaranlage installiert, den Gefrierschrank abgeschafft, die Beleuchtung auf Energiesparlampen umgestellt und versuche, wo immer es geht, Stand-by Verbrauch zu vermeiden. Es ist mir gelungen meinen Stromverbrauch um zwei Drittel zu senken. Ich brauche heute im Vergleich zum Durchschnittshaushalt nur noch die Hälfte.“

Wie schätzen Sie die Erfolgschancen der Energiezukunft Vorarlberg ein?
„Positiv ist, dass wir uns auf den Weg gemacht haben. Die Initiatoren sind mit ganzem Herzen und vollem Einsatz dabei. Ich erwarte mir, dass unsere Empfehlungen politisch umgesetzt werden, ohne Wenn und Aber. Die Energieautonomie anzustreben ist sehr mutig. Ich glaube allerdings, dass viele, die den Beschluss getroffen haben, nicht wissen, was das wirklich heißt in der Praxis.“

Wo würden Sie denn als Politiker ansetzen?
„Der größte Hebel ist die Gesetzgebung. Ineffiziente Ladegeräte gehören genauso verboten wie die Glühlampen. Wenn es etwas auf dem Markt nicht mehr gibt, erreicht man auch die Ignoranten. Der Abschied von der Glühlampe fällt deshalb so schwer, weil es noch bessere Alternativprodukte braucht. Jetzt lohnt sich aber erst die Forschung so richtig, weil Umsätze zu erwarten sind. 2050 wird es nur noch die LEDBeleuchtung geben. Wir haben zum Beispiel in unserer Reihenhaussiedlung in Sulz die Gangbeleuchtung auf LED umgestellt. Wir konnten dadurch den Energieverbrauch um über 80 Prozent senken, in dreieinhalb Jahren rentiert sich die Investition.“

Wie würden Sie denn insgesamt den Strompreis gestalten?
„Ich würde den Strompreis nicht künstlich niedrig halten. Mit den Mehreinnahmen könnte die Anschaffung energieeffizienter Geräte gefördert werden. Den Tarif würde ich verbrauchsprogressiv gestalten. Wer viel Strom verbraucht, zahlt ab einer bestimmten Menge einfach mehr pro Einheit.“


 
TeilnehmerInnen Werkstatt Strom/Kleinverbraucher:
DI Peter Dehoff, Dr. Karl Dörler, DI Thomas Geutze, DI (HTL) EUR ING Kurt Hämmerle, Prof. Dr. Guido Kempter, DI Hans-Jörg Mathis