Ökologisch verträglicher Ausbau
Interview mit Werkstatt-Teilnehmer Ing. Franz Karl Meusburger
Energiekostenberater und Landessprecher des Vereins Kleinwasserkraft Österreich,
geb. 1951, lebt in Koblach
Wenn man das Haus von Franz Karl Meusburger betritt, spürt man gleich eine sehr behagliche Stimmung. Und tatsächlich, erklärt er, das Gebäude aus dem Jahr 1983 wurde nach baubiologischen Kriterien errichtet. „Kein Stahl, kein Zement, alles mit Kalk gemauert und viel Holz.“ Mittlerweile hat er auch thermische Sonnenkollektoren für Warmwasser und eine Fotovoltaikanlage für die Stromerzeugung installiert. „Verbesserungen sind immer noch möglich. Ohne Sparen kommen wir nicht weiter, ich mache jeden Monat meine Energiebuchhaltung“, sagt der Energiekostenberater, der Firmen und Gemeinden betreut. „2050 sollte es kein Gebäude ohne Sonnenenergienutzung mehr geben. Ich bin zwar gegen Zwangsvorschriften, aber mit attraktiven Förderungen müsste das zu schaffen sein.“
Trotzdem geht es seiner Meinung nach nicht ohne zusätzliche Wasserkraftwerke, wenn die Elektromobilität funktionieren soll. „Ein behutsamer weiterer Ausbau ist notwendig.“ Der entscheidende Knackpunkt dabei ist die Frage, was als ökologisch verträglich einzustufen ist: Darf man aus als sehr gut eingestuften Gewässern mit Verschlechterungsverbot überhaupt Wasser entnehmen und – wenn ja – wo muss dann die Höhe des Restwassers liegen? Dabei seien drei Fronten zum Ausdruck gekommen, erzählt Franz Karl Meusburger. „Die Vertreter der Großkraftwerke, jene der Kleinkraftwerke und jene der Ökologie krachten aufeinander.“ Man einigte sich schließlich auf das ökologisch konsensfähige Ausbaupotenzial von 500 Gigawattstunden von 2007 bis 2050. „Es war ein Prozess mit Höhen und Tiefen, aber in Summe war er recht positiv. Man findet in so einer Gruppe Mitstreiter und bleibt damit nicht ein Einzelkämpfer“, resümiert Franz Karl Meusburger.
Wichtig ist aus seiner Sicht die Sanierung bestehender Anlagen auf den besten Stand der Technik. Er sieht in den Kleinkraftwerken zum Teil Jahrhunderte alte, erhaltenswerte Kulturgüter. „Die Wasserkraftnutzung der Fabriken, Sägen, Mühlen und Schmieden gehört zum Ortsbild. Diese gewachsenen Strukturen stiften Identität und sind ein gutes Beispiel für eine funktionierende Nahversorgung. Die überschaubare Größe hat außerdem sicherheitstechnische Vorteile.“
Franz Karl Meusburger sieht die Wasserkraft als Rückgrat unseres Wirtschaftssystems. „Eine „Rühr mich nicht an“-Philosophie bringt uns da nicht weiter. Diese Kraft, die rund um die Uhr für uns arbeitet, hat entscheidend zur Entwicklung unseres Landes beigetragen. Sie ist so sicher, dass sie geradezu selbstverständlich geworden ist.“ In den 1970er Jahren war Franz Karl Meusburger als Entwicklungshelfer im Kongo. „Die wesentliche Erfahrung in Afrika war für mich jene, dass ohne erneuerbare Energie im ländlichen Raum kaum eine Entwicklung hin zum Handwerk und zur Verbesserung der Eigenversorgung möglich ist. Wenn Strom nur mit Dieselaggregaten hergestellt werden kann, sind große Teile der Bevölkerung von der Stromnutzung ausgeschlossen und damit chancenlos. Wir mussten damals um jede Kilowattstunde kämpfen.“
Das Thema erneuerbare Energien hat den gelernten Landmaschinenmechaniker seither nicht mehr losgelassen. Wer wie Franz Karl Meusburger bereits in den 80er Jahren ein Solarauto gebaut und vor 10 Jahren schon herkömmliche Kleinwagen zu Elektroautos umgebaut hat, dürfte wohl auch für die Energiezukunft Vorarlberg noch einige richtungsweisende Ideen parat haben.
TeilnehmerInnen Werkstatt Wasserkraft:
DI Thomas Blank, Mag. Dietmar Buhmann, DI Dr. Adolf Groß, Ing. Franz Karl Meusburger, DI Dr. Ernst Pürer, Ing. Harald Scherbantie, Dr.-Ing. Hagen Schmöller, DI Dr. Manfred Trefalt, Albert Widmer

